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Was ist der IQ? Intelligenzquotient: Bedeutung, Formel und Geschichte

IQ steht für Intelligenzquotient: ein Testwert, der Ihre Leistung mit Gleichaltrigen vergleicht. 100 ist der Durchschnitt, eine Standardabweichung entspricht 15 Punkten. Hier lesen Sie, wie William Stern den IQ 1912 erfand, wie er heute berechnet wird und was er aussagt.

Verfasst von: IQtonics-RedaktionAktualisiert am 15. Oktober 2026

Auf dieser Seite
  1. Was bedeutet IQ? Die Definition in einem Satz
  2. Woher kommt der IQ? Die Geschichte des Intelligenzquotienten
  3. Wie wird der IQ berechnet? Sterns Formel von 1912
  4. Wechslers Abweichungs-IQ: So wird der IQ heute berechnet
  5. Die IQ-Skala: Welcher IQ-Wert bedeutet was?
  6. Was ist ein IQ-Test?
  7. Welche IQ-Tests gibt es?
  8. Was misst ein IQ-Test und was nicht?
  9. Wie aussagekräftig ist ein IQ-Wert? Die Grenzen
  10. IQ online testen: Was ein Online-Test leisten kann

Ob in der Schule, im Bewerbungsverfahren oder in der Quizshow: Der IQ ist die bekannteste Zahl der Psychologie, und fast alle kennen den Wert 100. Weniger bekannt ist, was der IQ eigentlich misst, wie er berechnet wird und warum die Formel aus vielen Schulbüchern heute gar nicht mehr verwendet wird. Dieser Leitfaden erklärt den Intelligenzquotienten von seiner Erfindung im Jahr 1912 bis zu den Tests, mit denen Psychologinnen und Psychologen heute arbeiten.

Was bedeutet IQ? Die Definition in einem Satz

IQ ist die Abkürzung für Intelligenzquotient. Gemeint ist ein standardisierter Messwert, der ausdrückt, wie gut eine Person in einem Intelligenztest im Vergleich zu einer großen Gruppe Gleichaltriger abschneidet. Ein IQ von 100 heißt: genau durchschnittlich für das eigene Alter. Werte darüber liegen über dem Durchschnitt, Werte darunter unter dem Durchschnitt.

Drei Punkte gehen in vielen Erklärungen unter:

  • Der IQ ist ein relativer Wert. Er sagt nicht, wie viele Aufgaben jemand gelöst hat, sondern wo dieses Ergebnis innerhalb einer Vergleichsgruppe liegt. Das Lexikon der Psychologie von Spektrum.de nennt als Bezugspunkt ausdrücklich eine vorab bestimmte Vergleichsgruppe.
  • Der IQ gehört zu einem bestimmten Test. Jeder Test hat eigene Aufgaben und eine eigene Normstichprobe. Zwei Tests können für dieselbe Person leicht unterschiedliche Werte liefern.
  • Der IQ ist nicht dasselbe wie Intelligenz. Er misst einen Ausschnitt davon, vor allem logisches Schlussfolgern, Sprachverständnis, Arbeitsgedächtnis, räumliches Denken und Verarbeitungsgeschwindigkeit. Was Intelligenz insgesamt ist und welche Modelle es gibt, erklärt unser Leitfaden Was ist Intelligenz?

Woher kommt der IQ? Die Geschichte des Intelligenzquotienten

Der IQ ist gut hundert Jahre alt. Seine Geschichte erklärt, warum es bis heute zwei Formeln gibt, die oft verwechselt werden.

  1. 1905: Binet und Simon. Eine 1904 vom französischen Unterrichtsministerium eingesetzte Kommission suchte nach einem Weg, Pariser Schulkinder mit besonderem Förderbedarf zu erkennen. Alfred Binet und Théodore Simon entwickelten dafür eine Skala aus 30 Aufgaben, grob nach steigender Schwierigkeit geordnet. Sie erschien in der Zeitschrift L’Année psychologique (Binet und Simon, Band 11); die Entstehung fasst die Quellensammlung Classics in the History of Psychology der York University zusammen.
  2. 1908: das Intelligenzalter. In der Überarbeitung ordneten Binet und Simon die Aufgaben Altersstufen zu. Daraus entstand das „Intelligenzalter“: Ein sechsjähriges Kind, das so abschneidet wie ein durchschnittliches achtjähriges, hat ein Intelligenzalter von acht.
  3. 1912: William Stern erfindet den Intelligenzquotienten. Der in Berlin geborene Psychologe, damals außerordentlicher Professor in Breslau, führte laut Deutscher Biographie 1912 den Begriff des Intelligenzquotienten ein.
  4. 1916: Terman und der Stanford-Binet-Test. Lewis Terman von der Stanford University übertrug Binets Skala auf amerikanische Kinder und machte den IQ mit dem Faktor 100 populär.
  5. 1939: Wechsler und der Abweichungs-IQ. David Wechsler, Chefpsychologe am Bellevue-Krankenhaus in New York, ersetzte das Intelligenzalter durch den Vergleich mit der eigenen Altersgruppe. Diese Methode gilt bis heute.

Wie wird der IQ berechnet? Sterns Formel von 1912

Stern stellte seine Idee auf dem V. Kongress für experimentelle Psychologie in Berlin vor und veröffentlichte sie im selben Jahr als Die psychologischen Methoden der Intelligenzprüfung (Leipzig 1912). Sein Ausgangspunkt: Bis dahin wurde der Rückstand eines Kindes als einfache Differenz in Jahren angegeben. Stern wandte ein, dass diese Differenz „bei verschiedenen Lebensaltern verschiedenes bedeutet“. Zwei Jahre Rückstand wiegen bei einem Fünfjährigen schwerer als bei einem Zwölfjährigen. Er schlug deshalb vor, nicht die Differenz, sondern das Verhältnis zu bilden.

Sterns Formel lautet im Original:

IQ = Intelligenzalter : Lebensalter

Bei Stern ist das Ergebnis eine Dezimalzahl. Ein Kind, das genau auf dem Niveau seines Alters steht, hat den Quotienten 1. Sein eigenes Rechenbeispiel: Ein achtjähriges Kind mit dem Intelligenzalter 6 hat einen IQ von 6 : 8 = 0,75. Denselben IQ hat ein zwölfjähriges Kind mit dem Intelligenzalter 9.

Die heute bekannte Schreibweise mit dem Faktor 100 setzte sich mit dem Stanford-Binet-Test durch. In seinem Handbuch The Measurement of Intelligence von 1916 beschreibt Terman den Durchschnitt als Quotienten „von eins oder 100 Prozent“ und nennt Werte wie 120 oder 143. Daraus wurde die Formel, die Sie aus Schulbüchern kennen:

IQ = Intelligenzalter : Lebensalter × 100

Ein Rechenbeispiel: Ein zehnjähriges Kind, das Aufgaben so gut löst wie ein durchschnittliches zwölfjähriges, hat einen Quotienten-IQ von 12 : 10 × 100 = 120.

Warum die Stern-Formel bei Erwachsenen scheitert

Das Intelligenzalter steigt in der Kindheit fast Jahr für Jahr, flacht im Jugendalter aber ab. Terman ging davon aus, dass sich die gemessene Intelligenz nach dem 15. oder 16. Lebensjahr kaum noch verbessert. Das Lebensalter dagegen steigt weiter. Mit der reinen Formel käme eine 40-Jährige, die so gut abschneidet wie eine durchschnittliche 16-Jährige, auf einen IQ von 16 : 40 × 100 = 40, obwohl ihre Leistung völlig normal ist.

Terman behalf sich 1916 mit einer Hilfsregel: Jeder Mensch über 16 Jahre wurde bei der Berechnung so behandelt, als wäre er genau 16. Ein 18-Jähriger und ein 60-Jähriger mit dem Intelligenzalter 12 erhielten damit beide einen IQ von 12 : 16 × 100 = 75. Eine überzeugende Lösung war das nicht, denn wie sich Denkleistungen im Erwachsenenalter tatsächlich verändern, spielte dabei keine Rolle.

Wechslers Abweichungs-IQ: So wird der IQ heute berechnet

Die Lösung kam von David Wechsler. In seinem 1939 erschienenen Buch The Measurement of Adult Intelligence, dem Begleitwerk zur Wechsler-Bellevue-Intelligenzskala, verabschiedete er sich vom Intelligenzalter. Stattdessen verglich er jede Person direkt mit Menschen ihres Alters. Jede Altersgruppe, so Wechsler, definiere ihren eigenen Maßstab, und der IQ behalte damit über das ganze Leben dieselbe Bedeutung.

Den Mittelwert jeder Altersgruppe legte Wechsler aus historischen Gründen auf 100 fest. Für die Streuung griff er zu einem damals gebräuchlichen statistischen Maß, dem „wahrscheinlichen Fehler“ (probable error): Wer genau einen wahrscheinlichen Fehler unter dem Mittelwert liegt, bekam den IQ 90, die übliche Untergrenze des Durchschnittsbereichs. Rechnerisch entspricht das einer Standardabweichung von knapp 15 Punkten (10 : 0,6745 ≈ 14,8). Heute ist die Skala ausdrücklich so definiert: Mittelwert 100, Standardabweichung 15. Diese Konvention verwenden die Wechsler-Tests und die meisten anderen modernen Intelligenztests.

So funktioniert die Berechnung in Schritten:

  1. Rohwert ermitteln. Die gelösten Aufgaben werden nach den Regeln des Tests zu einer Punktzahl zusammengezählt.
  2. Mit der Altersgruppe vergleichen. Aus der Normstichprobe sind Mittelwert und Standardabweichung der Rohwerte für jede Altersgruppe bekannt. Daraus ergibt sich der z-Wert: z = (Rohwert − Mittelwert) : Standardabweichung.
  3. Auf die IQ-Skala übertragen. IQ = 100 + 15 × z.

Ein Rechenbeispiel mit ausgedachten Zahlen: Erreicht in einer Altersgruppe der Durchschnitt 44 Rohpunkte bei einer Standardabweichung von 8, dann ergibt ein Rohwert von 52 den z-Wert 1 und damit einen IQ von 115. Ein Rohwert von 36 ergibt z = −1 und einen IQ von 85. In der Praxis rechnet niemand von Hand: Die Testhandbücher enthalten fertige Normtabellen für jede Altersstufe.

MerkmalQuotienten-IQ (Stern, Terman)Abweichungs-IQ (Wechsler)
Eingeführt1912 von Stern, mit Faktor 100 ab 1916 (Terman)1939 von Wechsler
FormelIntelligenzalter : Lebensalter (× 100)100 + 15 × z
MaßstabDurchschnittsleistung einer AltersstufeMittelwert und Streuung der eigenen Altersgruppe
ErwachseneNur mit Hilfsregel (Lebensalter höchstens 16)Ja, jede Altersgruppe hat eigene Normen
Heute in GebrauchNein, nur noch historischJa, Standard in WAIS, WISC und den meisten anderen Tests
Quelle: Stern (1912), Die psychologischen Methoden der Intelligenzprüfung; Terman (1916), The Measurement of Intelligence; Wechsler (1939, 2. Auflage 1941), The Measurement of Adult Intelligence.

Die IQ-Skala: Welcher IQ-Wert bedeutet was?

Weil der Abweichungs-IQ einer Normalverteilung folgt, lässt sich für jeden Wert genau berechnen, wie viele Menschen darüber oder darunter liegen. Rund 68 % der Bevölkerung haben einen IQ zwischen 85 und 115, rund 95 % zwischen 70 und 130. Testverlage geben den Bereichen Namen. Die folgende Einteilung entspricht der WISC-V; der Verlag Pearson verwendet sie etwa in seinem Beispielgutachten zur WISC-V.

IQ-BereichEinordnungEnglische Bezeichnung (WISC-V)Anteil der Bevölkerung
130 und mehrWeit überdurchschnittlichExtremely Highca. 2,3 %
120 – 129ÜberdurchschnittlichVery Highca. 6,8 %
110 – 119Leicht überdurchschnittlichHigh Averageca. 16,1 %
90 – 109DurchschnittlichAverageca. 49,5 %
80 – 89Leicht unterdurchschnittlichLow Averageca. 16,1 %
70 – 79UnterdurchschnittlichVery Lowca. 6,8 %
unter 70Weit unterdurchschnittlichExtremely Lowca. 2,3 %
Quelle: Bereichsgrenzen nach den Wechsler-Skalen (Pearson); Anteile von IQtonics berechnet aus der Normalverteilung mit Mittelwert 100 und Standardabweichung 15.

Einige Werte werden besonders oft gesucht. Ein IQ von 115 liegt eine Standardabweichung über dem Mittelwert und damit über etwa 84 % der Bevölkerung auf der Standard-IQ-Kurve. Ein IQ von 130 liegt zwei Standardabweichungen darüber; diesen Wert oder mehr erreicht rechnerisch etwa einer von 44 Menschen. Ab diesem Wert spricht man im deutschsprachigen Raum meist von Hochbegabung.

Für jeden einzelnen Wert finden Sie Prozentrang, Seltenheit und Einordnung in unserer IQ-Tabelle mit Rechner. Warum der Durchschnitt per Definition bei 100 liegt und was das für Deutschland bedeutet, erklärt der Leitfaden zum durchschnittlichen IQ; die Statistik hinter der Glockenkurve behandelt der Leitfaden zur IQ-Verteilung.

Was ist ein IQ-Test?

Ein IQ-Test, auch Intelligenztest genannt, ist ein psychologisches Messverfahren mit festen Regeln. Ein Fragebogen mit Rätseln ist noch kein IQ-Test. Drei Merkmale machen den Unterschied:

  • Standardisierung. Alle Teilnehmenden erhalten dieselben Aufgaben, dieselben Anweisungen und dieselben Zeitvorgaben. Nur so sind Ergebnisse vergleichbar.
  • Normierung. Der Test wird vorab an einer großen, möglichst repräsentativen Stichprobe erprobt. Für die deutsche Fassung der WISC-V etwa wurden laut Hogrefe im Jahr 2016 rund 1.100 Kinder und Jugendliche aus Deutschland getestet. Erst diese Normen machen aus einer Punktzahl einen IQ.
  • Geprüfte Messqualität. Ein seriöser Test dokumentiert, wie genau er misst (Reliabilität) und ob er tatsächlich misst, was er messen soll (Validität). Fachleute sprechen von Gütekriterien.

Auch der beste Test misst nicht fehlerfrei. Professionelle Gutachten geben deshalb neben dem IQ ein Konfidenzintervall an. In einem Beispielbericht von Pearson zur WAIS-IV steht neben einem Gesamt-IQ von 102 ein 95-%-Konfidenzintervall von 97 bis 107. Der wahre Wert liegt also mit hoher Wahrscheinlichkeit irgendwo in diesem Bereich, nicht exakt bei 102.

Welche IQ-Tests gibt es?

In Deutschland, Österreich und der Schweiz werden vor allem Verfahren eingesetzt, die Fachverlage wie Pearson und Hogrefe vertreiben. Sie unterscheiden sich darin, für welches Alter sie gedacht sind, ob sie einzeln oder in der Gruppe durchgeführt werden und wie viel Sprache sie voraussetzen.

TestFür wenArtStand
WAIS (Wechsler Adult Intelligence Scale)Erwachsene ab 16 JahrenEinzeltest bei Fachleuten, Gesamt-IQ und mehrere IndizesUS-Ausgabe WAIS-5 seit 2024; deutsche Fassung laut Pearson 2026, Normen 2024 bis 2025 erhoben
WISC-V (Wechsler Intelligence Scale for Children)Kinder und Jugendliche von 6;0 bis 16;11 JahrenEinzeltest, 15 Untertests, 60 bis 90 MinutenDeutsche Fassung seit 2017, Normen von 2016
CFT 20-R (Grundintelligenztest Skala 2)8;5 bis 19;11 Jahre sowie Erwachsene von 20 bis 64Sprachfreier Figurentest, auch als Gruppentest2. Auflage 2019
Online-Testsje nach AnbieterSelbsteinschätzung am Bildschirmmeist ohne Normstichprobe, keine Diagnose
Quelle: Pearson, WAIS-5-Überblick (2024) und deutsches Produktblatt zur WAIS-5; Hogrefe, Produktseiten zu WISC-V und CFT 20-R (abgerufen im Oktober 2026).

Die Wechsler-Tests sind die Nachfahren von Wechslers Skala aus dem Jahr 1939. Die WAIS-5 erschien 2024 in den USA und ist für 16- bis 90-Jährige normiert. Für die deutsche Fassung nennt Pearson in seinem Produktblatt 2026 als Erscheinungsjahr; die Normdaten wurden 2024 und 2025 in Deutschland erhoben. Die Vorgängerin, die deutsche WAIS-IV, stammt aus dem Jahr 2012 und wurde laut Hogrefe an 1.650 Personen von 16 bis 89 Jahren normiert.

Sprachfreie Tests wie der CFT 20-R arbeiten nur mit Figuren: Reihen fortsetzen, Muster klassifizieren, Matrizen ergänzen. Laut Hogrefe erfasst er die Grundintelligenz im Sinne von Cattells „General Fluid Ability“, also die Fähigkeit, neue Probleme ohne Vorwissen zu lösen. Solche Tests eignen sich auch für Menschen, die nicht gut Deutsch sprechen.

Gruppentests werden in Schulen und Auswahlverfahren eingesetzt, Einzeltests in der psychologischen Diagnostik. Wie ein Test vom Rohwert zum IQ kommt und warum verschiedene Tests leicht unterschiedliche Werte liefern, zeigt unser Beitrag Wie wird der IQ gemessen? Wer einen offiziellen Test machen möchte, wendet sich an eine Psychologin oder einen Psychologen; bei Kindern ist der schulpsychologische Dienst eine erste Anlaufstelle.

Was misst ein IQ-Test und was nicht?

IQ-Tests prüfen Denkleistungen, die sich in kurzer Zeit und unter gleichen Bedingungen erfassen lassen: Muster erkennen, logisch schlussfolgern, mit Zahlen umgehen, sich Dinge räumlich vorstellen, Informationen im Arbeitsgedächtnis halten und schnell verarbeiten. Der britische Psychologe Charles Spearman stellte schon 1904 in seinem Aufsatz General Intelligence, Objectively Determined and Measured fest, dass Menschen, die in einer solchen Aufgabe gut abschneiden, meist auch in anderen gut sind. Diesen gemeinsamen Kern nannte er den allgemeinen Faktor „g“. Der Gesamt-IQ eines Tests ist im Kern ein Schätzwert dafür.

Viele Tests unterscheiden außerdem zwischen fluider Intelligenz (neue Probleme lösen) und kristalliner Intelligenz (erworbenes Wissen anwenden). Den Unterschied erklärt unser Beitrag zu fluider und kristalliner Intelligenz.

Was der IQ vorhersagen kann, ist gut erforscht. Eine Metaanalyse von Roth und Kollegen (2015) von der Universität des Saarlandes wertete 240 Stichproben mit insgesamt 105.185 Teilnehmenden aus. Nach Korrektur von Messfehlern fand sie einen Zusammenhang von 0,54 zwischen Intelligenztestergebnissen und Schulnoten. Das ist für die Psychologie ein starker Zusammenhang. Rechnerisch erklärt er aber nur rund 29 % der Unterschiede in den Noten. Der Rest hängt an Motivation, Fleiß, Unterricht, Gesundheit und vielem mehr.

Ebenso klar ist, was IQ-Tests nicht erfassen. Eine Arbeitsgruppe der American Psychological Association um Neisser (1996) hielt fest, dass standardisierte Tests nicht alle Formen von Intelligenz abbilden. Als Beispiele nannte sie Kreativität, Weisheit, praktischen Verstand und soziales Feingefühl. Hinzu kommen Eigenschaften wie Ausdauer, Neugier und Interesse, die für Schule und Beruf oft genauso viel ausmachen.

Wie aussagekräftig ist ein IQ-Wert? Die Grenzen

Ein IQ ist eine nützliche Zahl, wenn man weiß, wie sie zustande kommt. Vier Einschränkungen sollten Sie kennen:

  1. Messfehler. Jeder Wert ist eine Schätzung mit einer Schwankungsbreite von einigen Punkten. Ein Ergebnis von 127 und eines von 131 können praktisch dasselbe bedeuten.
  2. Veraltete Normen. Die Testergebnisse der Bevölkerung haben sich im 20. Jahrhundert verschoben. Eine Metaanalyse von Trahan und Kollegen (2014) über 285 Studien fand einen Anstieg von durchschnittlich 2,31 IQ-Punkten pro Jahrzehnt, bei modernen Wechsler- und Stanford-Binet-Tests von 2,93 Punkten. Dieser Flynn-Effekt ist ein Grund, warum Tests regelmäßig neu normiert werden. Ein Test mit alten Normen fällt tendenziell zu großzügig aus.
  3. Tagesform und Übung. Müdigkeit, Stress und Ablenkung drücken das Ergebnis. Wer einen Test wiederholt, schneidet beim zweiten Mal meist besser ab: Eine Metaanalyse von Hausknecht und Kollegen (2007) über 50 Studien mit 134.436 Teilnehmenden fand solche Übungseffekte, vor allem bei identischen Testformen und nach gezieltem Training.
  4. Ein Wert ist keine Diagnose. Selbst in der Medizin entscheidet der IQ allein nichts. Die Klassifikation ICD-11 der Weltgesundheitsorganisation beschreibt eine Störung der Intelligenzentwicklung als Intelligenzleistung und Anpassungsverhalten, die beide etwa zwei oder mehr Standardabweichungen unter dem Mittelwert liegen; gemessen mit angemessen normierten, einzeln durchgeführten Tests. Auch eine Hochbegabung stellen Fachleute nicht anhand einer einzigen Zahl fest.

Schon der Erfinder des IQ sah das so. Laut Deutscher Biographie kritisierte William Stern deutlich, den IQ als „kahles Gerüst von Testziffern“ zu gebrauchen, das die „Triebkräfte des Leistens“ und den „Arbeitscharakter“ eines Menschen nicht berücksichtigt.

IQ online testen: Was ein Online-Test leisten kann

Wenn Sie wissen möchten, wo Sie auf der IQ-Skala ungefähr stehen, ist ein Online-Test ein einfacher erster Schritt. Er ersetzt keine psychologische Diagnostik, gibt Ihnen aber einen Orientierungswert und zeigt, welche Aufgabentypen Ihnen liegen.

Der IQ-Test von IQtonics besteht aus 40 Fragen in fünf Bereichen: Mustererkennung, räumliches Denken, Zahlen, Logik und Gedächtnis. Sie haben dafür 20 Minuten Zeit. Die Fragen werden schwieriger, und schwierigere Fragen bringen mehr Punkte. Ihr Ergebnis erhalten Sie auf derselben Skala wie in diesem Leitfaden, also mit Mittelwert 100 und Standardabweichung 15, dazu einen Prozentrang als Position auf der Normalverteilung und ein kognitives Profil über die fünf Bereiche. Wie der Test aufgebaut ist und bewertet wird, beschreibt unsere Methodik offen: Es handelt sich um eine Online-Selbsteinschätzung, kein klinisches oder diagnostisches Verfahren, ohne eigene Normstichprobe und ohne veröffentlichte Daten zu Reliabilität und Validität. Der Test richtet sich an Personen ab 16 Jahren.

Den Test können Sie ohne Anmeldung starten. Ihr IQ-Wert und die vollständige Auswertung werden mit einer kostenpflichtigen Probemitgliedschaft freigeschaltet, die sich automatisch verlängert, wenn Sie nicht kündigen. Wenn Sie das möchten: IQ-Test von IQtonics machen.

Häufige Fragen

Was bedeutet IQ?+

IQ ist die Abkürzung für Intelligenzquotient. Der Wert gibt an, wie die Leistung einer Person in einem standardisierten Intelligenztest im Vergleich zu Gleichaltrigen ausfällt. Ein IQ von 100 ist genau durchschnittlich, etwa 68 % der Menschen liegen zwischen 85 und 115.

Was heißt IQ ausgeschrieben und wer hat den Begriff erfunden?+

IQ heißt ausgeschrieben Intelligenzquotient. Den Begriff und die Abkürzung führte der deutsche Psychologe William Stern 1912 in seiner Schrift „Die psychologischen Methoden der Intelligenzprüfung“ ein. Er teilte das Intelligenzalter eines Kindes durch sein Lebensalter, daher der Name Quotient.

Wie wird der IQ berechnet?+

Historisch nach William Stern (1912) als Intelligenzalter geteilt durch Lebensalter; den Faktor 100 machte Lewis Termans Stanford-Binet-Test von 1916 üblich. Heute wird der IQ nach David Wechsler (1939) als Abweichungs-IQ berechnet: Das Testergebnis wird mit der eigenen Altersgruppe verglichen und auf eine Skala mit Mittelwert 100 und Standardabweichung 15 übertragen, also IQ = 100 + 15 × z.

Was ist ein IQ-Test?+

Ein IQ-Test ist ein standardisiertes Verfahren, bei dem alle Teilnehmenden dieselben Aufgaben unter denselben Bedingungen lösen. Das Ergebnis wird mit einer Normstichprobe verglichen, also einer großen, möglichst repräsentativen Gruppe Gleichaltriger. Erst dieser Vergleich macht aus einer Punktzahl einen IQ-Wert.

Welche IQ-Tests gibt es?+

Am bekanntesten sind die Wechsler-Tests: die WAIS für Erwachsene ab 16 Jahren und die WISC-V für Kinder und Jugendliche von 6 bis 16 Jahren. Daneben gibt es sprachfreie Tests wie den CFT 20-R, Gruppentests für Schule und Personalauswahl sowie Online-Tests zur Selbsteinschätzung. Eine Diagnose stellen nur Fachleute mit einem normierten Einzeltest.

Welcher IQ ist normal?+

In der Einteilung der Wechsler-Tests gelten Werte von 90 bis 109 als durchschnittlich; als Normalbereich im weiteren Sinn wird oft 85 bis 115 genannt. Zwischen 85 und 115 liegen etwa 68 % aller Menschen. Werte ab 130 erreichen rechnerisch nur rund 2,3 % der Bevölkerung.

Kann ich meinen IQ online zuverlässig messen?+

Ein Online-Test liefert einen Orientierungswert, aber keine Diagnose. Der IQtonics-Test umfasst 40 Fragen aus fünf Bereichen mit einem Zeitlimit von 20 Minuten und gibt das Ergebnis auf der Standard-IQ-Skala aus; er ist eine Online-Selbsteinschätzung ab 16 Jahren, kein klinisches Verfahren, und hat keine Normstichprobe. Den Test können Sie ohne Anmeldung starten; Ihr IQ-Wert und die vollständige Auswertung werden mit einer kostenpflichtigen Probemitgliedschaft freigeschaltet, die sich automatisch verlängert, wenn Sie nicht kündigen.

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