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Magnus Carlsen und der IQ-Test: Hat er wirklich einen IQ von 190?

Im Netz kursiert für Magnus Carlsen ein IQ von 190, belegt ist er nicht. Was über den Weltmeister von 2013 bis 2023 feststeht, was Studien mit fast 1.800 Spielenden über Schach und Intelligenz zeigen und warum eine Elo-Zahl kein IQ ist.

Verfasst von: IQtonics-Redaktion 6 Min. Lesezeit

Grafik „IQ 190? NICHT BELEGT“ mit dem Hinweis „Was über Magnus Carlsen feststeht“ und einer Karte „Belegt vs. behauptet“
Auf dieser Seite
  1. Hat Magnus Carlsen einen IQ-Test gemacht?
  2. Woher kommt die Zahl 190?
  3. Was über Magnus Carlsen belegt ist
  4. Schach und Intelligenz: Was sagt die Forschung?
  5. Warum der Zusammenhang bei Profis kleiner wird
  6. Macht Schach schlauer?
  7. Warum eine Elo-Zahl kein IQ ist
  8. Statt einer Schätzung: Ihr eigener IQ-Wert

Wer nach „Magnus Carlsen IQ-Test“ sucht, findet schnell eine Zahl: 190. Sie steht auf Listen der „klügsten Menschen der Welt“, in Videos und Forenbeiträgen, fast immer ohne Quelle. Belegt sind dagegen Carlsens Erfolge am Brett. Hier lesen Sie, was über den Norweger tatsächlich feststeht, was die Forschung über Schach und Intelligenz sagt und warum eine Elo-Zahl kein IQ-Wert ist.

Hat Magnus Carlsen einen IQ-Test gemacht?

Ob Carlsen jemals einen Intelligenztest absolviert hat, weiß die Öffentlichkeit nicht. Nach unserer Recherche hat er nie einen IQ-Wert genannt oder veröffentlicht, und es gibt keinen Bericht über ein Testverfahren, eine Testperson oder ein Datum. Das ist kein Versäumnis: Ein IQ-Ergebnis ist eine persönliche Information, die niemand veröffentlichen muss.

Wie viele andere Zahlen in unserem Überblick über Prominente und ihre IQ-Schätzungen ist die 190 also eine Zuschreibung, keine Messung.

Woher kommt die Zahl 190?

Die 190 taucht seit Jahren auf Promi-IQ-Listen, in Blogbeiträgen und in Diskussionen auf Schachportalen auf. Dort wird sie meist aus Carlsens Erfolgen abgeleitet: Wer so gut Schach spielt, müsse einen extremen IQ haben. Ein Interview, in dem Carlsen selbst einen Wert nennt, oder ein Testbericht ließ sich nicht finden. Der Ursprung der Zahl ist unklar. Sie verbreitet sich, weil eine Seite sie von der anderen übernimmt.

Schon die Größenordnung macht die Zahl unplausibel. Auf der IQ-Skala mit Mittelwert 100 und Standardabweichung 15 liegt ein IQ von 190 sechs Standardabweichungen über dem Durchschnitt:

IQAbstand zum MittelwertRechnerisch etwa 1 von
1302 Standardabweichungen44 Menschen
1453 Standardabweichungen741 Menschen
1604 Standardabweichungen31.574 Menschen
1755 Standardabweichungen3,5 Millionen Menschen
1906 Standardabweichungen1 Milliarde Menschen
Quelle: eigene Berechnung aus der Normalverteilung mit Mittelwert 100 und Standardabweichung 15.

Für so seltene Werte gibt es keine Normstichprobe, mit der man sie vergleichen könnte, und kaum genug schwere Aufgaben, um sie zu unterscheiden. Ein Wert wie 190 ist deshalb psychometrisch kaum sinnvoll. Mehr zu belegten und unbelegten Rekordwerten lesen Sie in unserem Beitrag zum höchsten IQ der Welt.

Was über Magnus Carlsen belegt ist

Die verlässlichen Fakten stammen aus Schachdatenbanken und Nachschlagewerken. Laut Store norske leksikon, dem großen norwegischen Lexikon, wurde Carlsen am 30. November 1990 in Tønsberg geboren und 2004 mit 13 Jahren Großmeister. Die Elo-Zahlen stehen in der Ratingdatenbank der FIDE.

WasDaten
Großmeistertitel2004, mit 13 Jahren
Weltmeister im klassischen Schach2013 (gegen Viswanathan Anand, 6,5:3,5)
Titelverteidigungen2014, 2016, 2018, 2021
Verzicht auf die Titelverteidigungangekündigt im Sommer 2022; Nachfolger ab 30. April 2023: Ding Liren
Höchste Elo-Zahl2882 (Mai 2014, erneut August 2019)
Gemessener IQnicht öffentlich bekannt
Quelle: FIDE-Ratingdatenbank (abgerufen im Oktober 2026); Store norske leksikon.

Laut Store norske leksikon ist 2882 die höchste Elo-Zahl der Geschichte. Diese Leistung ist außergewöhnlich und gut dokumentiert. Über seinen IQ sagt sie aber wenig, wie die Forschung zeigt.

Schach und Intelligenz: Was sagt die Forschung?

Die umfassendste Auswertung ist eine Metaanalyse von Burgoyne und Kollegen (2016) in der Fachzeitschrift Intelligence. Das Team fasste 19 Studien mit 26 Stichproben und insgesamt 1.779 Teilnehmenden zusammen. Das Ergebnis: Schachstärke hängt mit allen vier untersuchten breiten Fähigkeitsbereichen positiv zusammen, aber nur in kleinem bis mittlerem Ausmaß.

FähigkeitKorrelation mit Schachstärke
Schlussfolgerndes Denken (fluide Intelligenz)0,24
Wissen und Sprachverständnis (kristalline Intelligenz)0,22
Kurzzeitgedächtnis0,25
Verarbeitungsgeschwindigkeit0,24
Durchschnitt der vier Bereiche0,24
Zahlen (numerische Fähigkeit)0,35
Sprache (verbale Fähigkeit)0,19
Räumliches Vorstellungsvermögen0,13
Quelle: Burgoyne et al. (2016), Intelligence 59, S. 72–83.

Eine Korrelation von 0,24 bedeutet: Die gemessenen Fähigkeiten erklären im Schnitt nur etwa 6 % der Unterschiede in der Spielstärke, wie die Forschenden selbst schreiben. Überraschend ist, dass räumliches Vorstellungsvermögen am schwächsten mit Schachstärke zusammenhing, obwohl man es beim Schach zuerst vermuten würde. Was hinter Begriffen wie fluider und kristalliner Intelligenz steckt, erklären wir im Ratgeber zu kognitiven Fähigkeiten und im Beitrag über fluide und kristalline Intelligenz.

Eine zweite Metaanalyse von Sala und Kollegen (2017) verglich Schachspielende mit Menschen, die kein Schach spielen. Die Schachspielenden schnitten in intelligenznahen Aufgaben besser ab, mit einem mittleren Effekt (d = 0,49).

Warum der Zusammenhang bei Profis kleiner wird

Für die Frage nach Carlsen ist ein weiteres Ergebnis von Burgoyne und Kollegen wichtig: Bei Kindern und Jugendlichen war der Zusammenhang zwischen schlussfolgerndem Denken und Schachstärke deutlich größer (0,32) als bei Erwachsenen (0,11), bei Spielenden ohne Wertung größer (0,32) als bei Turnierspielenden mit Elo-Zahl (0,14). Die Forschenden mahnen hier selbst zur Vorsicht, weil Alter und Spielniveau in den Studien stark zusammenfielen.

Eine Studie von Bilalić, McLeod und Gobet (2007) mit 57 jungen Schachspielerinnen und Schachspielern zeigt, warum. Die Übungszeit sagte die Spielstärke am besten voraus. In einer Elitegruppe von 23 Kindern lag der durchschnittliche IQ über 130, doch innerhalb dieser Gruppe spielte Intelligenz keine erkennbare Rolle mehr; der Zusammenhang war tendenziell sogar negativ. Die Erklärung der Autoren: In der Elitegruppe hatten Kinder mit etwas niedrigerem IQ tendenziell mehr geübt.

Für Spitzenspielende heißt das: Ein solides intellektuelles Fundament hilft beim Einstieg, an der Spitze scheinen dann vor allem jahrelange Übung und Erfahrung den Ausschlag zu geben. Aus 2882 Elo-Punkten lässt sich kein IQ ablesen.

Macht Schach schlauer?

Die Frage liegt nahe, wenn Schachspielende im Schnitt besser abschneiden. Eine Metaanalyse von Sala und Gobet (2016) wertete 24 Studien zu Schachunterricht an Schulen aus, mit 2.788 Kindern und Jugendlichen in Schachgruppen und 2.433 in Kontrollgruppen. Sie fand einen moderaten Gesamteffekt (g = 0,338), etwas stärker für Mathematik als für Lesen.

In einer späteren Übersichtsarbeit ordneten dieselben Forscher diese Zahl ein: Je besser eine Studie kontrolliert war, desto kleiner fiel der Effekt aus. Nur eine Schachstudie hatte eine aktive Kontrollgruppe, und sie fand einen minimalen Effekt von 0,10 Standardabweichungen. Ihr Fazit: Der Vorsprung von Schachspielenden spricht eher dafür, dass Menschen mit höheren kognitiven Fähigkeiten häufiger mit Schach beginnen und darin erfolgreich sind, als dafür, dass Schach klüger macht.

Warum eine Elo-Zahl kein IQ ist

Elo-Zahl und IQ-Wert sehen sich auf den ersten Blick ähnlich: Beide sind Zahlen auf einer Skala, die Rangordnungen abbilden. Sie messen aber Verschiedenes.

  • Die Elo-Zahl beruht auf Partieergebnissen gegen andere gewertete Spielende und misst nur die Spielstärke im Schach. Sie steigt mit Übung, Eröffnungswissen und Turniererfahrung.
  • Der IQ-Wert stammt aus einem standardisierten Test mit Aufgaben aus mehreren Bereichen und wird mit einer Bezugsgruppe verglichen, auf einer Skala mit Mittelwert 100 und Standardabweichung 15.

Ein Elo-Rekord ist daher ein Rekord im Schach. Wer daraus einen IQ von 190 macht, vermischt zwei Messungen, die laut Forschung nur lose zusammenhängen.

Statt einer Schätzung: Ihr eigener IQ-Wert

Magnus Carlsens IQ bleibt unbekannt, und das ist in Ordnung: Seine Leistung steht in den Partiedatenbanken. Wenn Sie wissen möchten, wo Sie selbst auf der IQ-Skala stehen, ist ein Test aussagekräftiger als jede Promi-Schätzung.

Beim IQ-Test von IQtonics lösen Sie 40 Aufgaben aus fünf Bereichen: Mustererkennung, räumliches Denken, Zahlen, Logik und Gedächtnis. Die Fragen werden schwieriger, das Zeitlimit beträgt 20 Minuten. Ihr Ergebnis erhalten Sie auf der Standard-IQ-Skala mit Prozentrang und einem kognitiven Profil über die fünf Bereiche. Den Test können Sie ohne Anmeldung starten; Ihr IQ-Wert und die vollständige Auswertung werden mit einer kostenpflichtigen Probemitgliedschaft freigeschaltet, die sich automatisch verlängert, wenn Sie nicht kündigen. Es handelt sich um eine Online-Selbsteinschätzung, kein klinisches oder diagnostisches Verfahren.

Häufige Fragen

Wie hoch ist der IQ von Magnus Carlsen?+

Das ist nicht bekannt. Magnus Carlsen hat nach unserer Recherche nie ein IQ-Testergebnis veröffentlicht, und es gibt keinen Testbericht, kein Testverfahren und kein Datum zu einem Ergebnis. Alle Zahlen im Netz sind Schätzungen ohne Messung.

Stimmt es, dass Magnus Carlsen einen IQ von 190 hat?+

Dafür gibt es keinen Beleg. Die 190 wird auf Promi-Listen und in Foren wiederholt, eine Originalquelle wie ein Interview oder ein Testprotokoll ließ sich nicht finden. Ein IQ von 190 läge sechs Standardabweichungen über dem Mittelwert und wäre rechnerisch bei etwa einem von einer Milliarde Menschen zu erwarten; kein gängiger Intelligenztest kann so hohe Werte zuverlässig messen.

Was ist die höchste Elo-Zahl von Magnus Carlsen?+

Laut der Ratingdatenbank des Weltschachverbands FIDE lag Carlsens höchste Elo-Zahl bei 2882, erreicht im Mai 2014 und erneut im August 2019. Das ist die höchste Elo-Zahl, die je ein Spieler erreicht hat. Eine Elo-Zahl misst aber Spielstärke im Schach, keine Intelligenz.

Muss man für Schach einen hohen IQ haben?+

Ein gewisser Zusammenhang besteht, er ist aber kleiner als oft angenommen. Eine Metaanalyse von 2016 mit 1.779 Teilnehmenden fand eine durchschnittliche Korrelation von 0,24 zwischen kognitiven Fähigkeiten und Schachstärke. Bei Erwachsenen und bei gewerteten Turnierspielenden war der Zusammenhang schwächer, und Übung war in Studien oft der stärkere Faktor.

Macht Schachspielen intelligenter?+

Dafür gibt es keinen belastbaren Nachweis. Schulschach-Studien zeigen zwar im Schnitt moderate Effekte, doch je besser die Studien kontrolliert sind, desto kleiner werden sie. Die einzige Studie mit aktiver Kontrollgruppe fand nur einen minimalen Effekt. Wahrscheinlicher ist, dass kognitiv starke Menschen eher zum Schach finden und dort erfolgreich sind.

Wie kann ich meinen eigenen IQ testen?+

Der IQ-Test von IQtonics hat 40 Fragen aus fünf Bereichen und ein Zeitlimit von 20 Minuten; Ihr Ergebnis steht auf der Standard-IQ-Skala mit Mittelwert 100 und Prozentrang. Den Test können Sie ohne Anmeldung starten, Ihr IQ-Wert und die vollständige Auswertung werden mit einer kostenpflichtigen Probemitgliedschaft freigeschaltet, die sich automatisch verlängert, wenn Sie nicht kündigen. Es handelt sich um eine Online-Selbsteinschätzung, kein klinisches Verfahren.

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