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Albert Einstein und der IQ-Test: Hatte er wirklich einen IQ von 160?

Albert Einstein hat nie einen IQ-Test gemacht, trotzdem kursieren Werte zwischen 150 und 207. Woher die berühmte 160 stammt, was seine Zeugnisse aus München und Aarau zeigen und warum die Mathe-Legende nicht stimmt.

Verfasst von: IQtonics-Redaktion 7 Min. Lesezeit

Grafik „EINSTEINS IQ: NIE GEMESSEN“ mit dem Hinweis „160 ist nur eine Schätzung“ und einer Karte „Zugeschriebene Werte“
Auf dieser Seite
  1. Hat Albert Einstein je einen IQ-Test gemacht?
  2. Einstein IQ-Test: Woher stammt die Zahl 160?
  3. Gibt es einen „Einstein-IQ-Test“?
  4. Lässt sich der IQ eines historischen Genies schätzen?
  5. Wie selten wäre ein IQ von 160?
  6. War Einstein in Mathe schlecht? Was seine Zeugnisse zeigen
  7. Was über Einsteins Denken wirklich bekannt ist
  8. Einstein und andere Prominente: überall Schätzungen
  9. Statt einer Schätzung: Ihr eigener gemessener Wert

Wer nach „Albert Einstein IQ-Test“ sucht, stößt fast immer auf dieselbe Zahl: 160. Sie steht in Quiz-Apps, auf Social Media und in Ratgebern, meist ohne jede Quelle. Das Überraschende: Einsteins IQ wurde nie gemessen. Hier lesen Sie, woher die 160 kommt, was die Zeugnisse des Physikers aus München, Aarau und Zürich tatsächlich zeigen und warum die Legende vom Mathe-Versager nicht stimmt.

Hat Albert Einstein je einen IQ-Test gemacht?

Nein, jedenfalls gibt es dafür keinen einzigen Beleg. Der Intelligenzforscher Russell T. Warne hat für seine Recherche von 2023 alle Einstein-IQ-Angaben zurückverfolgt, die er finden konnte. Sein Fazit: Es sei „extremely unlikely“, also äußerst unwahrscheinlich, dass Einstein je einen Intelligenztest absolviert hat.

Der Grund ist schlicht die Zeitleiste. Einstein kam am 14. März 1879 in Ulm zur Welt (LeMO, Deutsches Historisches Museum). Laut Warne entstand der erste erfolgreiche Intelligenztest, gedacht für Kinder, 1905 in Frankreich. Einstein war da 26 und arbeitete am Patentamt in Bern. Der erste erfolgreiche Test für Erwachsene, der amerikanische Army Alpha, folgte 1917. Zu diesem Zeitpunkt lebte Einstein schon seit 1914 als Professor in Berlin (Nobelstiftung) und war ein bekannter Physiker. Einen Anlass, sich als etablierter Wissenschaftler noch testen zu lassen, hatte er nicht. Wie IQ-Tests entstanden sind und wie der Intelligenzquotient heute berechnet wird, erklärt unser Leitfaden Was ist der IQ?.

Einstein IQ-Test: Woher stammt die Zahl 160?

Die ehrliche Antwort lautet: aus anderen Artikeln. Warne hat Einstein zugeschriebene IQ-Werte durch Jahrzehnte von Zeitschriften und Büchern verfolgt. Eine der frühesten Angaben stammt aus dem Magazin LIFE von 1945. Es beschrieb einen 14-jährigen Studenten mit einem IQ von 182, der „nur 23 Punkte unter Einsteins“ liege. Damit wurde Einstein nebenbei ein IQ von 205 unterstellt.

JahrFundstelleEinstein zugeschriebener IQGrundlage
1945LIFEetwa 205 (indirekt)keine Quelle genannt
1954LIFE192keine Quelle genannt
1962Popular Mechanics207Der Artikel räumt selbst ein, dass Einstein nie getestet wurde
1974Buch von Mariann Olden205keine Quelle genannt
1986Elternratgeber von Moore und Frost200, als „gemessen“ bezeichnetkeine Messung belegt
2008Malcolm Gladwell, „Outliers“150laut Warne aus einer TV-Quizshow
2011Weijermarsetwa 160Hinweis, dass Testergebnisse nie bestätigt wurden
2018Hughes, „Psychology in Crisis“160ohne Quellenangabe
Quelle: Russell T. Warne, „The Search for Albert Einstein’s IQ“ (2023).

Dieselbe Zeitschrift nannte im Abstand von neun Jahren zwei verschiedene Werte, und ein Ratgeber erklärte einen Wert zur Messung, obwohl es nie eine gab. Im 21. Jahrhundert hat sich die Presse auf „etwa 160“ eingependelt. An dieser Zahl sei nichts Besonderes, schreibt Warne, und sein Urteil fällt deutlich aus: Keine der heute kursierenden IQ-Angaben zu Einstein sei glaubwürdig. Ein Überblick von PsyPost aus dem Februar 2026 kommt zum selben Schluss: Die 160 sei ein Konsens unter Journalisten, gestützt auf keine Daten.

Gibt es einen „Einstein-IQ-Test“?

Viele Suchanfragen wie „Test IQ Einstein“ oder „IQ-Test Einstein“ zielen auf einen Test, mit dem man sich an Einstein messen kann. Den gibt es nicht. Einstein hat keinen Intelligenztest entwickelt, und weil sein eigener IQ nie gemessen wurde, kann auch kein Test Ihr Ergebnis seriös neben „Einsteins IQ“ stellen. Trägt ein Online-Test seinen Namen, ist das ein Werbeetikett. Sinnvoller ist die Frage, wo Ihr eigener Wert auf der Standard-IQ-Skala liegt.

Lässt sich der IQ eines historischen Genies schätzen?

Ganz aus der Luft gegriffen ist die Idee nicht. Die Psychologin Catharine Cox hat 1926 für die Reihe Genetic Studies of Genius die IQs von 301 bedeutenden Persönlichkeiten aus Biografien geschätzt. Diese sogenannte historiometrische Methode beschreibt der Psychologe Dean Keith Simonton in einem Fachartikel im Gifted Child Quarterly (2020), zusammen mit ihren Grenzen.

Für Einstein hat diese Methode laut Warne bisher niemand angewendet. Jede „wissenschaftliche Schätzung“, die Sie im Netz finden, hat also nicht einmal eine solche Grundlage. Simonton warnt im Gespräch mit Biography.com zudem, solche Schätzungen würden oft intellektuelle Fähigkeit mit überragender Leistung in einem Fachgebiet verwechseln. Betrachte man Einsteins frühe geistige Entwicklung genau, wirke sein IQ „weit weniger auffällig“.

Wie selten wäre ein IQ von 160?

Moderne IQ-Tests verwenden einen Mittelwert von 100 und eine Standardabweichung von 15. Ein IQ von 160 liegt damit genau vier Standardabweichungen über dem Durchschnitt. Die folgende Tabelle zeigt, wie selten die für Einstein genannten Werte rechnerisch wären:

IQAbstand zum MittelwertRechnerisch etwa 1 von …
1302 Standardabweichungen44
1453 Standardabweichungen741
1604 Standardabweichungen31.574
1926,1 Standardabweichungen2,3 Milliarden
2077,1 Standardabweichungen2 Billionen
Quelle: eigene Berechnung aus der Normalverteilung mit Mittelwert 100 und Standardabweichung 15.

Die unteren Zeilen sagen weniger über Einstein als über die Skala. Für Werte wie 192 oder 207 hat kein Standardtest genug schwere Aufgaben und keine Normgruppe genug Vergleichspersonen. Solche Zahlen sind psychometrisch nicht sinnvoll. Wie sich die Werte auf der Glockenkurve verteilen, zeigt unser Leitfaden zur IQ-Verteilung. Warum Rekordangaben jenseits von 200 regelmäßig in sich zusammenfallen, lesen Sie im Beitrag über den höchsten IQ der Welt.

War Einstein in Mathe schlecht? Was seine Zeugnisse zeigen

Zur IQ-Legende gehört ein Zwilling: Einstein sei in Mathematik durchgefallen. Die Geschichte schaffte es bis in die Zeitungsrubrik „Ripley’s Believe It or Not!“. Laut Biograf Walter Isaacson im TIME Magazine zeigte ein Rabbiner Einstein 1935 in Princeton den Ausschnitt mit der Schlagzeile „Größter lebender Mathematiker fiel in Mathematik durch“. Einstein lachte und antwortete: „Ich bin nie in Mathematik durchgefallen. Bevor ich 15 war, beherrschte ich Differential- und Integralrechnung.“

Die Unterlagen geben ihm recht:

StationJahrWas belegt ist
Luitpold-Gymnasium, Münchenbis 1894Allgemein gute Noten, in Mathematik herausragend; Abgang ohne Abschluss, um zur Familie nach Italien zu ziehen
Aufnahmeprüfung Polytechnikum Zürich1895Mit sechzehneinhalb sehr gute Resultate in Mathematik und Naturwissenschaften, nicht bestanden wegen der Sprachfächer
Kantonsschule Aarau, Matura1896Gute bis sehr gute Noten; Geometrie und Algebra jeweils mit der bestmöglichen Note 6
Polytechnikum Zürich (heute ETH)1896 bis 1900Diplom als Fachlehrer für Mathematik und Physik im Juli 1900
Quellen: AIP; Hunziker, Elemente der Mathematik (2001); Historisches Lexikon der Schweiz; ETH-Bibliothek; LeMO.

Im Einzelnen: Das American Institute of Physics beschreibt, dass Einstein das Münchner Gymnasium mit seinem Drill hasste, aber gute Noten hatte und in Mathematik herausragte. Das Historische Lexikon der Schweiz hält fest, dass er die Aufnahmeprüfung 1895 „wegen ungenügender Leistung in Fremdsprachen“ nicht bestand. Der Aarauer Mathematiklehrer Herbert Hunziker hat Einsteins Maturaarbeiten im Staatsarchiv Aargau ausgewertet und in der Fachzeitschrift Elemente der Mathematik (2001) veröffentlicht. Sein Befund: Einstein sei „keineswegs, wie fälschlicherweise immer wieder behauptet, der Schulversager“ gewesen, sondern „vermutlich ein etwas eigenwilliger, sicher aber ein guter Schüler“. Auch der SRF nennt als einzige Schwäche in Aarau das Französisch.

Ganz ohne Makel war Einstein trotzdem nicht. Die ETH-Bibliothek dokumentiert, dass er im dritten Studienjahr im physikalischen Praktikum bei Jean Pernet wegen häufigen Fehlens gerügt wurde und die schlechtestmögliche Note 1 erhielt. Ausgerechnet in Physik also, und zwar wegen seiner Fehlzeiten. Vor Prüfungen verließ er sich laut AIP auf die hervorragenden Mathematik-Mitschriften seines Freundes Marcel Grossmann.

Was über Einsteins Denken wirklich bekannt ist

Für Einsteins Begabung braucht es keine erfundene Zahl. Die Belege sind seine Arbeiten. Während seiner Zeit am Berner Patentamt schrieb er die Arbeiten zur Brownschen Bewegung und zur Speziellen Relativitätstheorie (Hunziker). Den Nobelpreis für Physik 1921 erhielt er laut Nobelstiftung „für seine Verdienste um die theoretische Physik, insbesondere für seine Entdeckung des Gesetzes des photoelektrischen Effekts“, also nicht für die Relativitätstheorie. Erhalten hat er den Preis erst 1922: Das Komitee hielt 1921 keine der Nominierungen für preiswürdig und stellte den Preis um ein Jahr zurück.

Der Psychologe Jonathan Wai sagte Biography.com, Einsteins Gedankenexperimente sprächen dafür, dass er räumlich außergewöhnlich begabt war. Das ist eine plausible Schlussfolgerung, aber eben kein Messwert. Auch sein Gehirn liefert keinen. Eine Studie in The Lancet von 1999 verglich es mit den Gehirnen von 35 Männern. Wie PsyPost zusammenfasst, war es mit 1.230 Gramm nicht schwerer, die Scheitellappen, die mit räumlichem Denken in Verbindung gebracht werden, waren aber etwa 15 % breiter. Eine IQ-Zahl lässt sich daraus nicht ableiten.

Einstein und andere Prominente: überall Schätzungen

Einstein ist kein Einzelfall: Bei fast allen berühmten Namen, deren IQ im Netz kursiert, fehlt ein dokumentiertes Testergebnis. Welche Werte geschätzt, erfunden oder tatsächlich belegt sind, ordnen wir im Überblick Prominente und ihr IQ ein.

Statt einer Schätzung: Ihr eigener gemessener Wert

Einsteins IQ wird für immer eine Schätzung bleiben. Ihr eigener Wert muss keine bleiben. Ein gemessener Wert, so unspektakulär er klingen mag, sagt mehr als die schönste Legende: wo Ihre Stärken liegen und wo Sie auf der Standard-IQ-Kurve stehen.

Wenn Sie den IQ-Test von IQtonics machen, beantworten Sie 40 Fragen aus fünf Bereichen: Mustererkennung, räumliches Denken, Zahlen, Logik und Gedächtnis. Die Fragen werden schwieriger, schwierigere Fragen bringen mehr Punkte, das Zeitlimit beträgt 20 Minuten. Ihr Ergebnis steht auf derselben Skala wie die Tabellen oben, mit Mittelwert 100 und Standardabweichung 15, dazu Ihr Prozentrang und ein kognitives Profil über die fünf Bereiche. Den Test können Sie ohne Anmeldung starten; Ihr IQ-Wert und die vollständige Auswertung werden mit einer kostenpflichtigen Probemitgliedschaft freigeschaltet, die sich automatisch verlängert, wenn Sie nicht kündigen. Es ist eine Online-Selbsteinschätzung, kein klinisches oder diagnostisches Verfahren.

Und ganz gleich, welche Zahl Sie bekommen: Einstein ist für das berühmt, was er mit seinem Verstand angefangen hat, nicht für einen Wert, den es nie gab.

Häufige Fragen

Hatte Einstein einen IQ von 160?+

Das weiß niemand. Die 160 ist eine Schätzung, die sich in der Presse durchgesetzt hat, kein Testergebnis. Zeitschriften und Bücher haben Einstein seit 1945 Werte zwischen 150 und 207 zugeschrieben, ohne dass einer davon auf einer Messung beruht.

Hat Albert Einstein jemals einen IQ-Test gemacht?+

Dafür gibt es keinen Beleg. Der erste brauchbare Intelligenztest für Kinder entstand 1905 in Frankreich, als Einstein schon 26 war. Der erste Test für Erwachsene, der Army Alpha, folgte 1917 in den USA. Da war Einstein längst ein bekannter Physiker in Berlin und hatte keinen Grund, sich testen zu lassen.

Gibt es einen Einstein-IQ-Test?+

Nein, Einstein hat keinen IQ-Test entwickelt, und es gibt keinen Test, der Ihr Ergebnis mit seinem vergleichen könnte, weil sein IQ nie gemessen wurde. Wenn ein Test im Netz „Einstein“ im Namen trägt, ist das ein Werbename und sagt nichts über die Qualität des Tests aus.

War Einstein schlecht in Mathe?+

Nein. Bei seiner Matura 1896 an der Kantonsschule Aarau bekam er in Geometrie und in Algebra jeweils die bestmögliche Note 6. Durchgefallen ist er 1895 bei der Aufnahmeprüfung des Zürcher Polytechnikums, und zwar wegen der Sprachfächer, nicht wegen Mathematik.

Wie selten ist ein IQ von 160?+

Ein IQ von 160 liegt vier Standardabweichungen über dem Mittelwert von 100. Auf einer Normalverteilung mit Standardabweichung 15 erreicht das rechnerisch etwa 1 von 31.574 Menschen. So extreme Werte kann kaum ein Standardtest noch zuverlässig unterscheiden.

Wie kann ich meinen eigenen IQ testen?+

Der IQ-Test von IQtonics hat 40 Fragen aus fünf Bereichen und ein Zeitlimit von 20 Minuten; Ihr Ergebnis steht auf der Standard-IQ-Skala mit Mittelwert 100 und Prozentrang. Den Test können Sie ohne Anmeldung starten, Ihr IQ-Wert und die vollständige Auswertung werden mit einer kostenpflichtigen Probemitgliedschaft freigeschaltet, die sich automatisch verlängert, wenn Sie nicht kündigen. Es handelt sich um eine Online-Selbsteinschätzung, kein klinisches Verfahren.

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